Das vierte Semester #1

Das vierte Semester ist von der Behörde thematisch nicht vorstrukturiert und ermöglicht es so, den Lehrenden als auch den SuS nach Interessenslage zu gehen. Die Deutschlehrerinnen meiner Schule einigen sich darauf, die SuS entscheiden zu lassen, womit sie sich in dem folgenden Semester beschäftigen möchten.

Die Lehrerin entscheidet sich dazu, die SuS auf einem „literarischen Basar“ auszuhandeln, welches Thema das interessanteste ist. Hierzu schlägt sie folgende Themen unter dem Aspekt Weltliteratur vor:

  • Nobelpreisträger und das ausgezeichnete Werk
  • Verfilmte Literatur (Schlink, Der Vorleser; M. Walser, Ein fliehendes Pferd)
  • Sogenannte Standardwerke der Weltliteratur (Was muss „man“ gelesen haben?)
  • Verantwortung des Wissenschaftlers in der Literatur (Dürrenmatt, Kipphardt, Brecht)
  • Literaturgeschichte, z.B. Realismus, Naturalismus (Fontane, Hauptmann)
  • Gesellschaftliche Utopien (Orwell, Huxley)
  • Romeo- und Julia-Motiv (anhand unterschiedlicher Roman- und Dramenausschnitte, Film- und Bildmaterial)

Zudem können die SuS Themen auswählen, die sie selber als wichtig erachten.

Die SuS haben 40 Minuten Zeit eine Rede für ihr Themengebiet zu erstellen. Auf dem „literarischen Basar“ sollten die SuS so ihre Vorschläge nicht nur vorstellen, sondern versuchen in einer flammenden Rede, ihr Thema erfolgreich durchzusetzen, die MitschülerInnen zu überzeugen.

Das Vorgehen ist hierbei das folgende:

  • Überlegt in der Gruppe mögliche Unterthemen oder Fragen, die beantwortet werden könnten. Je differenzierter, desto besser!
  • Macht Vorschläge, -wie ihr den Themenkomplex behandeln wollt
  • – wie die Ergebnisse vermittelt werden könnten
  • – wie das Produkt aussehen könnte

Die Reden fallen nach dem 40 Minuten wenig emotional und enthusiastisch aus. Nichtsdestotrotz zeigt sich, dass fast alle SuS die Standardwerke der Weltliteratur im folgenden Semester behandeln möchten.

Die SuS erhalten in der folgenden Doppelstunde einen Arbeitsplan für das kommende Semester. Die SuS sollen sich in Gruppen den jeweiligen Büchern zuordnen:

  • Bildnis des Dorian Gray – Oscar Wilde
  • Der Gott des Gemetzels – Yasmina Reza
  • Der alte Mann und das Meer – Ernest Hemingway
  • Wüstenblume – Waris Dirie
  • Drachenläufer – Khaled Hosseini
  • Mephisto – Klaus Mann

Nach jeweils drei Wochen eigenständigen Erarbeitens müssen die Gruppen eine der Teilaufgaben im Plenum vorstellen. – Eine Buchkritik schreiben, den Vergleich zu einem Film schreiben, einen Inneren Monolog schreiben und die Besetzung der Protagonisten für eine Theateraufführung casten. Dies soll gewährleisten, dass auch die übrigen SuS einen Einblick in die Werke bekommen und Druck aufbauen, tatsächlich an ihren Aufgaben kontinuierlich zu arbeiten.

Leider konnte ich nur in den Gruppenphasen hospitieren und habe somit die Präsentationen nicht beobachten können. In den Gruppenarbeiten zeigte sich jedoch, dass manche Gruppen mehr und engagierter arbeiteten als andere. Nichtsdestotrotz hielten sich die SuS an den Ablaufplan und zeigten der Lehrerin eine Woche vor der Präsentation, dass sie bereit sind, ihren Vortrag zu halten. Der Vortrag muss hierbei nicht in der Gruppe absolviert werden, sondern kann ebenso in einer Einzelarbeit ausgearbeitet werden. Die Lehrerin lässt den SuS während der Gruppenarbeitsphase den Freiraum, sich entfalten zu lassen, wie sie möchten. Dennoch zeigt sie sich präsent, setzt sich immer wieder an die Gruppentische und beantwortet thematische Nachfragen. Die SuS zeigen sich motiviert in der Mitarbeit und scheinen sich anerkannt zu fühlen, da sie die Struktur des vierten Semesters mitbestimmen durften. Jediglich drei der 25 SuS scheinen wenig Interesse an dem Thema zu haben. Sie sind leistungsschwache SuS, die der Lehrerin auch im Vorfeld immer wieder zeigten, dass ihnen die Institution Schule an sich nicht wirklich zusagt.

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About cathrin

Das Ganze fing mit einer Studienleistung m Rahmen meines Master of Education an. Aufgabe war: Ein Blog erstellen und Leuten darüber Wissen vermitteln. Ich entschied mich, den Interessierten die Welt der Photographie näher zu bringen. Wie es ja eigentlich auch der Hintergrund eines jeden Lernens sein sollte, band ich mein neues Wissen in meinen Alltag ein. Ich probiere mich nun nicht nur immer mehr an den Neuen Medien als Bestandteil der Wissensvermittlung, sondern auch in der Photographie aus. So versuch ich hier bloggend mein -wenn auch begrenztes- Wissen über die Photographie ("Hinter der Linse") mit dem Stück Welt, wie ich es sehe, zu verbinden.

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